14.08.2020

Interview: Was die Krise für Ihre Baufinanzierung bedeutet

Die Corona-Krise ist bei vielen Arbeitnehmern und Selbstständigen mit Gehaltsausfällen und finanziellen Engpässen verbunden. Doch wer schon vor der Krise Pläne für den Traum von den eigenen vier Wänden geschmiedet hat oder bereits Darlehensnehmer ist, fragt sich jetzt, welche Auswirkungen die Krise auf die Baufinanzierung und den Immobilienmarkt haben kann. Regionalmarktleiter Thomas Häuser beantwortet die wichtigsten Fragen.

Herr Häuser, die Corona-Pandemie kam völlig unerwartet, viele haben dieses Jahr den Kauf einer Immobilie oder eines Grundstücks geplant. Was raten Sie Immobilienkäufern und Häuslebauern in der Krise? Gibt es aktuell erhöhte Risiken oder Herausforderungen beim Abschluss einer Baufinanzierung?

Die Frage nach den erhöhten Risiken wird aktuell insbesondere davon beeinflusst, wie sicher Ihr Arbeitsplatz und Einkommen ist. Sie müssen sich fragen, wie stark Ihr Arbeitgeber von den Corona-Auswirkungen betroffen ist und ob es dadurch möglicherweise zu Konsequenzen wie Kurzarbeit oder Stellenabbau kommen könnte, um Ihr ganz persönliches Risiko besser einschätzen zu können.

Grundsätzlich glaube ich aber, dass die zusätzlichen Risiken, die sich aus der Corona-Krise ergeben, kalkulierbar bleiben, wenn Sie sich als Häuslebauer und Immobilienkäufer gründlich auf den Kauf oder Bau der eigenen vier Wände vorbereitet haben. Dazu zählt vor allem die umfassende Klärung der Frage, wie viel Belastung Sie sich leisten können und ob Sie über einen angemessenen Sockel an Eigenkapital, optimalerweise 25 Prozent der Gesamtkosten, verfügen.

Nehmen wir an, es kommt bei einem Kunden hart auf hart: Können bestehende Baufinanzierungen trotz Kurzarbeit oder Verdienstausfällen weitergeführt werden? Was empfehlen Sie Betroffenen?

Natürlich kann es passieren, dass die Haushaltsrechnung aufgrund des Kurzarbeitergelds knapp wird. Gehen Sie in diesem Fall frühzeitig auf Ihren Bankberater zu und besprechen Sie die Situation. Gemeinsam können Sie sicher einen Weg finden, um die monatliche Belastung zu reduzieren. So wird zum einen überprüft, welche monatlichen Kostenpositionen Sie für einige Zeit reduzieren können. Zum anderen besteht die Möglichkeit, die Finanzierungskosten beispielsweise durch eine temporäre Reduzierung bzw. Aussetzung der Tilgung oder der Besparung des Bausparvertrags zu senken.

Reagiert die Frankfurter Volksbank in der Krise mit strengeren Kreditrichtlinien auf die Krise?

Als Frankfurter Volksbank ist uns nicht nur die Einhaltung von Richtlinien, sondern auch der Dialog mit unseren Kunden wichtig. Deshalb haben wir unsere Kreditrichtlinien im Zuge der Corona-Pandemie nicht im Besonderen verändert oder verschärft. Natürlich müssen wir, gerade bei neuen Finanzierungswünschen, allein aus Gründen der Fürsorgepflicht prüfen, ob unsere Kunden nachhaltig in der Lage sind, den voraussichtlichen Zins und die geplante Tilgungsrate zu stemmen. Aktuell betrachten wir zudem, inwieweit die Corona-Pandemie die Situation des Kunden zukünftig beeinflussen könnte.

Wie schätzen Sie die weitere Entwicklung der Bauzinsen ein: Werden sie im Laufe des Jahres eher sinken oder steigen?

Wir glauben nicht, dass es in naher Zukunft eine maßgebliche Veränderung bei den Bauzinsen geben wird. Viele Volkswirte gehen davon aus, und diese Meinung vertreten wir auch, dass wir es noch über einen längeren Zeitraum mit einem sehr niedrigen Zinsniveau zu tun haben werden. Wir sehen derzeit keine Faktoren, die zu einer nachhaltigen Trendwende am Kapitalmarkt führen könnten – aber natürlich ist es umso schwieriger Prognosen abzugeben, je weiter wir in die Zukunft blicken.

Aber Achtung: Es ist nicht ratsam, allein aufgrund der historisch niedrigen Zinsen ein Haus oder eine Wohnung zu kaufen.

Bietet es sich an, jetzt eine vorzeitige Anschlussfinanzierung in Anspruch zu nehmen?

Die Frage muss letztendlich jeder für sich selbst beantworten. Grundsätzlich ist es möglich, im Rahmen von sogenannten Forward-Vereinbarungen, bereits heute Anschlussfinanzierungen für Zinsen abzuschließen, die erst in ein oder zwei Jahren auslaufen. So können Sie sich das aktuelle Zinsniveau sichern, zahlen aber einen kleinen Aufschlag, der zum neuen Zins hinzugerechnet wird. Wer also wirklich auf Nummer sicher gehen und ruhig schlafen möchte, dem ist das anzuraten. Alternativ können Sie die Entwicklung beobachten und bei Bedarf handeln.

Jetzt kaufen oder lieber noch abwarten – das fragen sich viele zukünftige Immobilienbesitzer. Könnte die Corona-Krise Ihrer Einschätzung nach noch zu fallenden Immobilienpreisen führen?

Ich glaube nicht daran, dass in unserer Region die Preise für Wohnimmobilien durch die Corona-Pandemie nachhaltig fallen werden. Wir leben im Rhein-Main-Gebiet, aktuell und zukünftig eine der wichtigsten Metropol-Regionen in Deutschland. Wohnraum ist aktuell schon knapp und die Möglichkeiten, neuen Wohnraum zu schaffen, sind begrenzt sowie in aller Regel sehr zeitaufwendig. Das sind die maßgeblichen Faktoren, die meiner Meinung nach dazu führen, dass die Preise für Wohnraum im Schnitt weiter stabil bleiben oder tendenziell sogar noch steigen.

Die genannten Informationen haben wir nach bestem Wissen sorgfältig zusammengetragen. Eine Haftung jeglicher Art schließen wir dennoch aus.

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